Waffenschmiede testet den Peugeot ION, der letzte Tag
Das Elektroauto im Alltagstest bei uns: der Peugeot ION.

Sonntag:

Der ION auf 780m Seehöhe.
Letzter Tag mit dem ION
Heute ist der letzte Tag mit dem ION. Montag geht er dann wieder zurück.
Es war eine Woche mit Höhen und Tiefen, und dass im wahrsten Sinne des Wortes.
Wir sind heute auf den Schöckel gefahren, der Grazer Hausberg sozusagen.
Bis zur Liftstation sind es 400 Höhenmeter, bis zum letzten Parkplatz vormGipfel weitere 400 Höhenmeter. Ingesamt 800 Höhenmeter, die mit dem ION zu bewältigen sind.
Dazu war auch heute der optimale Tag, 13°C in der Stadt. Mangels Außentemperaturanzeige kann ich nicht genau sagen, wie warm es war. Gefühlt 5°C, weil der Wind auch richtig geblasen hat.
Der Heizungsregler erweisst sich als Reichweitenregler, eine Problematik die ohnehin bekannt ist.
Heizung und Klima sind an zum Entfeuchten und Heizen. So zeigt der ION die 1/2 Reichweite am Display. Im wahren Leben wirkt es sich nicht so tragisch aus, aber 1/3 weniger muß man schon rechnen.
Der Aufstieg auf den Schöckel verlief problemlos. Kraft ist genügend vorhanden, wenn man auch jedes Beschleunigungsmanöver an der Ladestandskontrolle sieht.
Bei der Talstation auf 780m, sind es 48km Restreichweite laut Display und 6 von 16 Ladestrichen verbraucht- wir sind aber erst 30km gefahren.
Kurz stehenbleiben zum Fotos machen und dann gleich wieder weiter, weil Wind und Regen sind wirklich unangenehm.
Dann die letzten 400m hoch zum Parkplatz. Die Reichweitenanzeige runter auf 28km und nur mehr 7 von 16 Ladebalken, bei gefahrenen 36km.
Am Parkplatz schnell ein Beweisfoto, dann wieder rein ins Auto, weil es regnet noch mehr und der Wind bläst einem richtig um die Ohren.
Die Heizung war die ganze Fahrt über angeschaltet, aber nur auf "es geht gerade so" gestellt, um die Reichweite nicht noch mehr negativ zu beieinflussen. Kuschlig warm wäre was anderes gewesen.
Man hat auch beim Elektroauto ein lustiges technisches Problem am Berg, du brauchst sehr viel Leistung und hast trotzdem keine Abwärme um den Innenraum zu heizen, womit der Akku gleich zweifach belastet wird. Wenn man es genau nimmt sogar dreifach,weil in den Bergen ist es kalt auch dazu.
Ganz oben angekommen, stellt sich mir eine Frage. Was passiert wenn ich das Auto jetzt voll lade und dann den Berg runterfahre?
Ob das die Entwickler und Ingenieure einmal ausprobiert haben? Mangels Steckdose wird dies ein Anderer ausprobieren müssen.
Nun die Bergabfahrt. Da ich die gleiche Strecke mit meinem Prius vor einigen Tagen gefahren bin, weiß ich, dass der Prius seine HV Batterie ca. 3-4x komplett aufladen könnte. Nach wenigen Kehren ist der Akku schon voll und der Motor vernichtet dann die überflüssige Energie. Jedoch anders als sich die meisten das denken, er dreht leer mit, bis zu 5000 U/min. Womit man eine ganz angemessene Motorbremswirkung hat.
Der ION kann damit nicht aufwarten, er hat keinen Verbrennungsmotor. Ich fahre recht langsam den Berg runter, weil die Bremsanlage auch nicht so besonders groß ist für das Gewicht des ION.
Was aufgefallen ist. der ION rekupiert bergab sehr wenig. Nur einen von 16 Ladebalken habe ich rekupiert - das ist sehr wenig. Auch nerven die Spritsparasphaltschneider vorne. Im Trockenen noch erträglich, im Nassen schon ein wenig zur Vorsicht mahnend. Sobald man auch nur ein wenig schneller bergabfährt, fängt das Auto an über die Vorderräder hinauszuschieben. Die erreichbaren Kurvengeschwindigkeiten sind eher die eines Kinderwagens nicht eines modernen Automobils. Ein Prius im Vergleich ist ein Rennauto.
Gut, mit der Fahrweise läßt sich das kompensieren, aber ich finde nicht, dass dies Zweck der Übung sein sollte.
Beim Bergabfahren ist mir dann auch aufgefallen, das dass Auto gleich mechanisch bremst, sobald man einen gewissen Pedalweg überschritten hat. Beim Prius hingegen ganz anders, er bremst wirklich sehr brav elektrisch.
Ein Blick unter die Motorhaube des ION bringt die Ernüchterung. Das Bremssystem des ION ist einfach das gleiche wie bei einem normalen PKW. Der Unterschied ist, dass der "Leerweg" ein wenig größer ist und in diesem Leerweg bremst dann der E-Motor. Sobald das Pedal mechanisch einen Punkt überschreitet, wird ganz normal mechanisch gebremst. Ist eigentlich ein fettes Minus für den ION, weil beim Prius ist das Problem deutlich besser gelöst worden.

Der Bremskraftverstärker des ION, herkömmliche Technik, daher auch die bregrenzte Rekupation beim Bremsen.
Kurze Rede, wir sind daheim angekommen, die Restreichweitenanzeige hat sich dann beruhigt und zeigt wieder 56km an. Dann noch schnell einen Weg erledigt, sprich in Summe 80km gefahren, und 3 Ladebalken waren noch am Display, Restreichweite 28km.

1125m Seehöhe mit dem Elektroauto. Ist das der Beweis für die Alltagstauglichkeit?


